Kriegsspiele am Tag der Neutralität

Interessiert hat mich die Bundesheer-Schau in der Grazer Innenstadt gestern auch. Drum war ich am Vormittag auch dort. Von der »Action«, die dann später geboten worden ist, hab ich nichts mehr mitbekommen und kenne sie nur von Bildern.

So sehr mich Panzer und voll ausgerüstete Soldaten in der Herrengasse verstören, mich die unsäglich Ausgabe der »Kleinen Kinderzeitung« aufregt und mir Bilder von Kriegsspielen und den entsetzten Gesichtern der Kinder, die sich das ansehen, den Magen umdrehen, beruhigt mich eines:
dass es doch sehr viele Menschen gibt, denen es dabei genau so geht wir mir. Und dass sie das unter den feierlichen Postings der Stadt Graz, meiner Dienstgeberin, auch mit Nachdruck sagen.

Bundesheer Zoom

Zoomt auf die Gesichter der Kinder! (Foto: Stadt Graz/Fischer)

Damit mich niemand missversteht: Die Leistungen des Bundesheeres etwa beim Katastrophenschutz sind unbestritten, sie können und sollen auch bei Leistungsschauen präsentiert werden. Ich bin auch ein großer Befürworter der allgemeinen Wehrpflicht, die ich für ein entscheidendes Element einer demokratischen Grundordnung halte, weil sie sicherstellt, dass das Militär nicht zum Staat im Staat wird. Und mir ist auch bewusst, dass – im »Ernstfall«, wie das immer verschämt genannt wird –, um Menschen zu schützen und die immerwährende Neutralität zu verteidigen, militärische Gewalt, also die gezielte Tötung von Menschen unumgänglich sein könnte.

ABER: Kriegsspiele haben gerade am Nationalfeiertag nichts verloren. Es ist der Tag, an dem die immerwährende Neutralität Österreichs gefeiert wird, also das strikte Heraushalten aus und das Vermitteln in Konflikten, ein Konzept, das Frieden sichert, auch wenn die Neutralität durch die österreichische Beteilung an den EU-Schlachtgruppen und der sogenannten »NATO-Partnerschaft für den Frieden« schon immens ausgehöhlt.

Wie auch immer: Nächstes Jahr erspart uns Minister Kunasek hoffentlich seinen militaristischen Vorwahlkampf um 300.000 Euro.

 

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