Der Herr Bürgermeister träumt die Mur

MURSeit 18 Jahren bin in nun in Graz und kenne den Herrn Bürgermeister mittlerweile und auch die Begeisterungsfähigkeit und die leuchtenden Augen, mit denen er Projekte und Renderings präsentiert. Das meiste davon – die U-Bahn, die bunt leuchtende Garage am Eisernen Tor, die Murgondel, die Seilbahn über den Plabutsch zum Thalersee – ist in der Schwebe oder im Reich der Träume. Wo Ideen tatsächlich umgesetzt wurden – Murinsel, Kunsthaus, Messe usw. – haben sie die geplanten Kosten um ein Vielfaches überschritten und nicht nur den Schuldenstand massiv erhöht, sondern verursachen Folgekosten, die die Stadt teuer zu stehen kommen.
Nun will der Herr Bürgermeister das Leben an der Mur komplett ummodeln und dazu eine schöne Grafik präsentiert. Das find ich sogar gut. Als gelernter Grazer hab ich allerdings Bedenken. Und zwar:

SCHIFFFAHRT.
Die Haltestellen befinden sie an Orten, die sie für „normale“ Menschen, die in der Stadt von A nach B wollen, unbrauchbar machen. Es wird eine reine Tourismusattraktion. Kein Problem, ist ja auch bei der Schlossbergbahn so. Der wesentliche Unterschied ist aber: Für die Schifferl wird man extra zahlen müssen. Vielleicht gibt’s für Besitzer und Besitzerinnen der Jahreskarte eine Ermäßigung. Aber das „prüft“ die Holding noch.
Wenn man bedenkt, wieviel warme und wieviel kalte Monate es in Graz gibt, wird der Betrieb der beiden angedachten Boote wohl kaum rentabel sein. Steuergelder werden also fließen müssen.
In Sachen öffentlicher Verkehr sollte es aber heißen: erst die Pflicht, dann die Kür. Solange sich in Graz alles staut und Bus und Bim überfüllt sind, sind die Millionen andernorts wohl besser aufgehoben.

STADTBALKONE.
Acht an der Zahl sollen es werden und sind sowieso nötig. Streetfood und Sitzmöglichkeiten wird es geben, heißt es. Setzt sich der Modus fort, der überall in der Innenstadt verordnet ist, herrscht Alkoholverbot. Wer ein im Geschäft gekauftes Bier trinkt, kann mit bis zu 90 Euro bestraft werden. Wer aber brav an schicken Verkaufsbuden sein Trankerl kauft, darf es schon auch trinken. Konsumzwang nennt man das.

MURPROMENADE.
Auf die freue ich mich. Meine Hoffnung: es wird nach der Rodung all der Bäume auch schattige Platzerl geben. Meine auf Erfahrung fußende Befürchtung: Es wird leider nie, wie man sich’s erhofft.

LIEGEPLATZERL.
Die sollen an vielen Orten entstehen. Gut so: Wer künftig 12 Stunden am Tag arbeiten muss, muss sich auch einmal hinlegen können. Aber ganz ohne Zynismus: Man darf hoffen, dass man auch Bier aus dem Geschäft dort trinken kann, ohne Strafen zu kassieren.
Was jedenfalls bedacht werden sollte, weil schon viele die Illusion haben, man könne bald in der Mur baden: Auf keinen Fall! Colibakterien im Wasser machen das unmöglich. Daran ändert auch der sündteure Speicherkanal nix.

Advertisements

Eine Antwort zu “Der Herr Bürgermeister träumt die Mur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s