Wir werden uns was überlegen. Müssen.

Der Wahlausgang in der Steiermark ist heftig. Sehr heftig. Was ist passiert? Was ist zu tun?
Ein Wundenlecken.

bua

Sonntag, 16 Uhr. Die Ergebnisse in Graz Umgebung und die erste Hochrechnung vor mir auf einem Bildschirm sagen: Die KPÖ ist aus dem Landtag geflogen, die FP rittert um Platz 1 mit. Ich stehe neben dem noch amtierenden FP-Verkehrslandesrat Kurzmann und warte darauf, ORF-Chefredakteur Gerhard Koch meinen letzten Funken Hoffnung ins Mikrofon zu hüsteln. Wohl war mir nicht dabei.

Die Watschen für die „Reformpartner“ ist gesessen und hat einen blauen Fleck hinterlassen, der weitaus größer ist als erwartet. Sämtliche Wahlprognosen sind falsch gelegen – und die KPÖ unter allen Erwartungen. Ausgehend vom besten Ergebnis bei den Gemeinderatswahlen seit 1965 und dem sensationellen Resultat der ÖH-Wahlen haben wir uns von der positiven Grundstimmung bei Infotischen, in Gesprächen, bei Veranstaltungen täuschen lassen.

Umfragen machen Politik

Die Enttäuschung folgte auf dem Fuß. Diverse Institute befragen ein paar hundert Hansln und Gretln und liefern den jeweiligen Auftraggebern das Ergebnis, von dem sie glauben, dass es ihnen nutzt. Just am Tag vor der Wahl wurde in der meistgelesenen Zeitung der Steiermark ein „Dreikampf um Graz“ und der KPÖ neun Prozent vorhergesagt. Dass es tags darauf ganz anders gekommen ist, wird – auch – daran gelegen sein.

Verunsicherung macht Politik

Dass die Freiheitlichen ihr Wahlkampfniveau wieder einmal selbst unterboten haben, mag anwidern, verwundern muss es nicht. Immer schon hat es den Herrschenden genutzt, die Beherrschten auseinander zu dividieren. Während die Reichen immer reicher werden, schimpfen die, die wenig haben, auf die, die noch weniger haben.

In Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit, Schulschließungen, Zwangsfusionen und dadurch befeuerter Landflucht herrscht Verunsicherung.

Wenn die fremdenfeindliche Saat der Freiheitlichen dann in der Endphase des Wahlkampfs noch durch ausufernde Berichterstattung über Zeltstädte und einen Mord in der Straßenbahn gedüngt wird, braucht die Ernte nicht zu verblüffen.

Wir müssen Politik machen!Mit uns in eine glückliche Zukunft

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Beschimpfungen nutzen da nicht, Auswandern auch nicht. Und allein mit Antifa-Folklore und Trillerpfeiferln ist der Aufstieg der FP auch nicht zu verhindern (gewesen).

Die hundert Reichsten der Reichen haben ein Vermögen von 170.000.000.000 Euro. Und der wegen Hausbau verschuldete Hackler, die von EU und Agrarindustrie bedrängte Bäuerin und der Leiharbeiter, der gerade die Staatsbürgerschaft erhalten hat, sind dem Minderjährigen Asylwerber aus Syrien das karge Taggeld zu neidig.

Hier müssen wir den Finger auf die Wunden legen. Wir müssen zeigen, wie es zu Verbesserungen kommen kann. Es gilt zu kämpfen – gegen ein EUropäisches System, das die Reichen reicher und die Armen ärmer macht. Nicht gegen das Gros der Wählerinnen und Wähler der FP, sondern um sie! Für ein soziales und ökologisches, ein demokratisches und neutrales, ein souveränes und weltoffenes Österreich.

Wir dürfen nicht müde werden, den Menschen klar zu machen, dass die Grenzen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten verlaufen.

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Eine Antwort zu “Wir werden uns was überlegen. Müssen.

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