Antikommunismus verfehlt oft das Ziel – das Thema meistens.

Vor 70 Jahren wurde Österreich vom Nazi-Faschismus befreit. Aus diesem Anlass fand eine Sondergemeinderatssitzung statt. Gast- und Hauptredner war Lech Wałęsa. Warum, wusste schon in Vorfeld niemand.

Gemeinsame antifaschistische Kundgebung von SPÖ und KPÖ am 23. Juni 1945 am Grazer Freiheitsplatz.  Foto: CLIO, Nachlass Ida Schulin

Gemeinsame antifaschistische Kundgebung von SPÖ und KPÖ am 23. Juni 1945 am Grazer Freiheitsplatz.
Foto: CLIO, Nachlass Ida Schulin

Walesa hat eine Themenverfehlung par excellence hingelegt. Er hat die Sonder-gemeinderatssitzung dazu missbraucht – nach ein paar einleitenden Sätzen zum eigentlichen Thema –, antikommunistische Allgemeinplätze garniert mit einer gehörigen Portion Eigenlob, einem Patzen EU-Chauvinismus und einem Zuckerguss aus antirussischen Ressentiments aufzutischen.
Der Sohn eines Aktivisten, der an der Befreiung von Graz mitwirkte und das Sprengen der Grazer Brücken verhinderte, hat das – meines Erachtens zu recht – als Entwürdigung dessen bezeichnet, wofür Tausende ihr Leben gelassen haben: die Befreiung von der Nazi-Barbarei, die Wałęsa gerade einmal en passant zu erwähnen geruht hat. Des Anlasses wegen haben wir KommunistInnen uns das angehört. Schade um unsere Zeit. Und schade um 25.000 Euro Grazer Steuergelder.

„Aber man wird ja wohl über die Verbrechen im Namen des Kommunismus reden dürfen“, hört man dann. Klar, darf man. Muss man sogar. Und gerade wir KommunistInnen stellen uns der Vergangenheit – die KPÖ Steiermark in ihrem Programm und der KSV zuletzt in einer Erklärung an die Standard-Redaktion, die sich in diesem Zusammenhang wieder einmal selbst unterboten hat.

Aber, liebe Leute, aufgepasst!
Mit KommunistInnen kann man auch über politische Themen reden – über Privatisierung und Sozialabbau, über Bildungspolitik, über Migration, über Umwelt und Nachhaltigkeit, über Militarismus und Krieg, Neutralität und Frieden und über die Befreiung vom Faschismus. Und man kann dabei beim Thema bleiben. Echt jetzt. Das funktioniert. Man muss nicht gleich mit Schaum vorm Mund die Stalin-Stasi-Staatsterror-Nummer abziehen. Ist ganz einfach. Man macht das ganz genau so wie bei den ChristdemokratInnen, die nicht auf Anhieb auf die Kreuzzüge, die Kolonialisierung Amerikas, die Hexenverbrennungen oder Dollfuß reduziert werden; oder wie bei SozialdemokratInnen, denen man in einer Debatte nicht augenblicklich mit den Machenschaften von Ben Ali, Mubarak und Co. konfrontiert, deren Parteien Mitglieder der Sozialistischen Internationale waren, bis sie im Arabischen Frühling gestürzt wurden.

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