„Leichter wird es nicht“

Post SVPost-Sportverein Graz.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten. Viele Unterhausvereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 11 einer Serie im Grazer Stadtblatt.

 

Graz, 1921. Wie die Schwammerl schießen Fußballvereine aus dem Boden. AAC Graz, der SV Heizhaus, der später als ESV Austria Graz ganz oben, in der Staatsliga A, mitkicken sollte, Rapid Graz – und der Post-Sportverein.

Ihr allererstes Match bestritten die Postler im Juni gegen die Eisenbahner vom SV Heizhaus. Ursprünglich nur Post- und Telegrafen-Bediensteten zugänglich wurde der Verein sukzessive geöffnet und bald in „Union Graz“ umbenannt. Rasch zählten auch zahlreiche Nicht-Postler zu den aktiven und unterstützenden Mitgliedern.

Während zwei Faschismen

Nach der Ausschaltung der Demokratie durch Engelbert Dollfuß‘ Austrofaschismus wurde der Verein aus politischen Gründen aufgelöst. 1938 reaktiviert, war wegen des durch deutsches Großmachtstreben ausgelösten Weltkriegs schon bald nicht mehr an einen geregelten Spielbetrieb zu denken. In den letzten Kriegsjahren wurde er dann gänzlich eingestellt.

Heimatlos

Der Platz in Eggenberg, der nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland dem Post SV übertragen wurde, stand nach der Befreiung nicht mehr zur Verfügung. Lange Jahre war man ohne Heimstätte. Ein langes Hin und Her begann, bis man 1963 das Gelände südöstlich der Puntigamer Maut erhielt, doch es dauerte bis zum 50jährigen Vereinsjubiläum, bis der erste Bauabschnitt fertiggestellt werden konnte.

Sportlich konnten die Post-Kicker erst langsam wieder Tritt fassen, bis sie 1954 sensationell – eine ganze Saison lang ungeschlagen – endlich den Aufstieg in die 1. Klasse Mitte erkämpften. Auch, wenn es gelang, sich dort im Mittelfeld zu etablieren, landete man mit viel Pech durch Umstrukturierungen im Liga-System wieder in der untersten Klasse.

Die ungeschlagene Post-Elf im letzten Meisterschaftsspiel 1953/54.
Die ungeschlagene Post-Elf im letzten Meisterschaftsspiel 1953/54.

 Vom Wirtshaus auf den Fußballplatz

Im Arbeiterbezirk Gries gründete sich 1925 der SC Hertha. Doch bei der Namensgebung der schwarz-grünen Elf stand nicht die große Berliner Mannschaft Pate, sondern die Wirtin des Stammlokals der enthusiastischen Kicker. Dass die Vereinsfarben schließlich Violett-Weiß wurden, lag an einem Geschenk der Wiener Austria. Sie hatte den klammen Grazern eine Garnitur Dressen vermacht.

Obwohl man nie eine eigene Heimstätte besaß, brachte die Grazer Hertha doch einige Fußballgrößen hervor, etwa Heinrich Anderle, der beim GAK Karriere machte oder Helmut Senekowitsch, der beim Grazer SC und der Vienna sowie schließlich als GAK-Trainer und Cordoba-Teamchef Erfolge feierte.

Spielgemeinschaft und Fusion

„Der SC Hertha hatte keine Heimstätte und der Post SV kaum mehr Kicker für die Kampfmannschaft“, erzählt der frühere Hertha-Obmann und jetzige Leiter der Post-Fußballsektion Gottfried Stoiser. „Erst haben wir uns als Spielgemeinschaft zusammen getan und schließlich 2005 fusioniert.“ Immer schwieriger war es geworden, Sponsoren zu finden – auch nach der Fusion änderte sich das nicht. Von Sponsoren und der öffentlichen Hand werden alle kleinen Grazer Vereine bisweilen stiefmütterlich behandelt.

Neustart

„Leichter wird es nicht“, sagt Stoiser. Durch die Zersplitterung der Post und den Personalabbau gehen auch die Einnahmen aus dem „Sportschilling“ zurück, der immer noch von allen Bediensteten eingehoben wird.

Ein Jahr ruhte der Spielbetrieb der Kampfmannschaft in der Herrgottwiesgasse, bis im August ein völlig neues Team in der Ersten Klasse zu kicken begann. Auch Pläne für die Zukunft gibt es. So wird eifrig am Aufbau einer U10 und einer U11 gearbeitet. Vor allem aus der Triester Siedlung kommen die Kinder, die beim Post SV das Kicken lernen.

Neben der Fußball-Sektion unterhält der Post-Sportverein noch einige weitere: Fitsport, Leichtathletik, Schach, Schi, Schießen, Tennis, Tischtennis und Vital 8000.

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