„Wir schicken niemanden weg“

GSV Wacker-WappenGrazer Sportvereinigung Wacker.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten. Viele Unterhausvereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 9 einer Serie im Grazer Stadtblatt.

Jakomini war immer schon das Epizentrum des Grazer Fußballsports. Schon für den SK Sturm und den Grazer SC war der Augarten Ausgangspunkt großer Ereignisse. Auch der SC Wacker Graz und die Grazer Sportvereinigung (GSV) gingen in der Zwischenkriegszeit aus dem sechsten Bezirk hervor – und lange Jahre eigenständige Wege.

Die Jahreszahl im heutigen Wappen geht auf Fußballer im akademischen Vereinsumfeld zurück, die sich ab 1896 zwischenzeitig GSV nannten. Abgesehen von dieser Namensgleichheit besteht allerdings keine Kontinuität.

Vom Bankerl nach Liebenau

Jugendliche Sportbegeisterung gab den Ausschlag, dass im Sommer 1929 aus einem Gespräch über Fußball auf einer Parkbank in der Oberen Bahnstraße die Gründung des SC Wacker werden sollte. Noch im Herbst stieg man in den Liga-Betrieb der 2. Klasse ein, wo man aus dem Stand den vierten Platz belegte. Der Aufstieg gelang bereits in der Folgesaison.

Zu einer eigenen Heimstätte kam man erst 1936, als man die Sportanlage in Liebenau vom GSC übernahm, der in die Conrad-von-Hötzendorf-Straße übersiedelt war.

Früh auf Reisen

Dass ein Fußballklub gegründet werden sollte, war allen Gästen, die sich im Mai 1935 in einem Gasthaus in Jakomini trafen, klar. Heiß und lange wurde um den Namen gestritten, bis der konservative Journalist und Grazer Fußballpionier Franz Ircher eingriff. Man einigte sich schließlich auf Irchers Vorschlag hin auf Grazer Sportvereinigung, kurz: GSV, und die Klubfarben grün-weiß.

Schnell stellten sich sportliche Erfolge ein, und die GSV ging auf Reisen. Nicht nur in andere Bundesländer, sondern auch Jugoslawien, Ungarn und Deutschland führten die Reisen.

Der Krieg brachte den Fußballsport in Graz weitgehend zum Erliegen. Der SC Wacker stellte den Betrieb ein und die GSV bildete mit dem SK Sturm eine „Kriegsspielgemeinschaft“. Aufbruchsstimmung nach der Befreiung vom NS-Faschismus herrschte in beiden Vereinen, auch wenn beide an frühere Erfolge nicht mehr anschließen konnten. Die GSV aber wuchs und etablierte weitere Sportsektion vom Eishockey bis zum Schwimmen.

Ungewisse Zukunft

Seit Jahrzehnten sind die beiden Fußballklubs fusioniert. Die GSV Wacker hat ihre Heimstätte am Körnerplatz in der Hüttenbrennergasse nahe der Schönau-Siedlung.

Wie es nach dem anstehenden Umbau des Areals der Sportunion weitergeht, ist ungewiss. Ob man sich dann noch die Platzmiete leisten kann, ist unklar. Schon jetzt spielt die Kampfmannschaft in der 1. Klasse quasi zum Nulltarif – „aber mit Hingabe“, erzählt Obmann Johann Lechner stolz. Das Team, die Freiwilligen, sind fast wie eine Familie. Lechner selbst ist seit 17 Jahren beim Verein aktiv; erst als Nachwuchstrainer und seit 2010 als Obmann und Coach der Kampfmannschaft.

Etwa 15 Stunden pro Woche verbringt Obmann Johann Lechner am Körnerplatz nahe der Schönau-Siedlung. Dazu kommen viele organisatorische Dinge, die zuhause erledigt werden. Die GSV Wacker ist für ihn schon „fast ein familiäres Umfeld“.

Etwa 15 Stunden pro Woche verbringt Obmann Johann Lechner am Körnerplatz nahe der Schönau-Siedlung. Dazu kommen viele organisatorische Dinge, die zuhause erledigt werden. Die GSV Wacker ist für ihn schon „fast ein familiäres Umfeld“.

Sinnvolle Beschäftigung

Mehrs als 100 Kinder kicken heute in sechs Jugendteams von der U9 bis zur U15 am Körnerplatz, vor allem aus dem unmittelbaren Umfeld. Die GSV Wacker richtet eines der größten Jugend-Hallenturniere im Großraum Graz aus. An die 90 Teams nehmen Jahr für Jahr teil – darunter auch internationale Gäste aus Ungarn, Südtirol und sogar die Jugend des NK Maribor.

Der Verein kooperiert auch mit Flüchtlingsprojekten: „Wir schicken niemanden weg“, sagt Lechner. „Egal welche Nation, egal ob spindeldürr oder dicker: jeder, der will, kann spielen. Sie sollen sich bewegen, sollen Gemeinschaft lernen.“ Wo ginge das besser, als im Fußball.

Legenden

Mit Kindesbeinen schoss die wohl größte lebende Grazer Fußballlegende Mario Haas am Rasen des Körnerplatzes die Bälle ins Tor. Der Weg dorthin war für den im Schönau-Viertel aufgewachsenen ja nur ein Katzensprung. Haas war maßgeblich an allen drei Meistertitel des SK Sturm beteiligt und lief insgesamt 43 mal für das österreichische Nationalteam auf. Heute betreut heute als Trainer den SV Tobelbad in der Gebietsliga Mitte.

In der Jugendabteilung der GSV Wacker begann Christian Klem seine Karriere. Er lief schon mehrmals für diverse Nachwuchs-Nationalteams auf und trägt heute den schwarz-weißen Dress des SK Sturm.

Bei Red Bull Salzburg steht Riesen-Talent Valentino Lazaro, an dem schon Inter Mailand Interesse bekundete, im Sold. Im Alter erst 16 Jahren und 224 Tagen gab er dort sein Bundesliga-Debut. Auch er trug schon das blaue Trikot in Jakomini.

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Eine Antwort zu “„Wir schicken niemanden weg“

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