Kampfgeist und Zuversicht

ESK-WappenEggenberger Sportklub.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten. Viele Unterhausvereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 7 einer Serie im Grazer Stadtblatt.

Weil nach dem Ersten Weltkrieg auch bei den Eggenberger Arbeiter-Turnern die Fußballbegeisterung nicht zu bremsen war, gründete sich 1921 der Eggenberger Sportklub. Idealismus und Einsatz waren die Voraussetzung, um in dieser Zeit bestehen zu können. Niederlagen waren im ersten Jahr des Bestehens eher Regel als Ausnahme, aber durch Kampfgeist konnte man sich schon 1922 in der 2. Klasse etablieren und gegen den KSV und den SC Südbahn antreten.

Die politische Zuspitzung in der ersten Republik machte auch vor dem Fußballsport nicht halt. 1926 schlossen sich die Eggenberger dem sozialdemokratisch orientieren Freien Verband der Amateurfußballer Österreichs (VAFÖ) und spielten dort in der 2. Steirischen Klasse. In dieser Zeit wurde erhielt der ESK auch seine Heimstätte, das Kammerstadion, was ohne die Tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden der Funktionäre und Aktiven unmöglich gewesen wäre.

Eine solche Kultstätte gibt es nur mehr in Eggenberg. Längst sind die betonierten Stehplatztribünen der Austria oder des GSC geschliffen. Das ASKÖ-Stadion ist das letzte, dessen Ränge von besseren Zeiten erzählen.

Eine solche Kultstätte gibt es nur mehr in Eggenberg. Längst sind die betonierten Stehplatztribünen der Austria oder des GSC geschliffen. Das ASKÖ-Stadion ist das letzte, dessen Ränge von besseren Zeiten erzählen.

„Grazer Sportklub Rapid“

Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 folgte die Gleichschaltung des Sports. Die augenscheinlichsten Folgen für den Arbeiterverein aus Eggenberg war die Installierung eines „politischen Leiters“ und die Umbenennung in „Grazer Sportklub Rapid“. Spieler wurden für Hitlers Weltkrieg eingezogen, Funktionäre tauchten ab. Der Auflösung kam man durch die Fusion mit dem Post SV zuvor.

Der Neubeginn

Zum Bersten voll war das Gasthaus Strobl, als sich der ESK nach der Befreiung vom Nazi-Joch 1945 neu gründete. Das 25-jährige Jubiläum 1946 wurde mit einem Turnier würdig begangen und der Aufstieg ins steirische Oberhaus nur knapp verpasst. Im Jahr darauf sollte er gelingen: hinter dem ASV Seegraben kämpften sich die Schwarz-Blauen in die höchste steirische Spielklasse.

Die Kehrseite des sportlichen Erfolgs zeigte sich in den 50ern. Viele Stammspieler wechselten zu den großen Grazer Vereinen – Sturm, GAK, GSC und Austria. Es gab aber auch Highlights; so etwa die Reise einer ESK-Delegation zu den Weltfestspielen der Jugend nach Bukarest 1953.

Abreise der ESK-Delegation ins rumänische Bukarest, wo 1953 die vierten Weltfestspiele der Jugend stattfanden

Abreise der ESK-Delegation ins rumänische Bukarest, wo 1953 die vierten Weltfestspiele der Jugend stattfanden

 

Auf und Ab

Steil bergab ging es Anfang der 60er, bis 1967/68 das Ruder herumgerissen werden und man sich in den 70ern in der Unterliga Süd etablieren konnte. Just zum 50. Jubiläum errang der ESK souverän – mit 9 Punkten Vorsprung – den Titel und stieg 1981 in die Landesliga auf. Zehn Jahre hielten sich die Eggenberger oben, bis 1991 – nicht zuletzt wegen finanzieller Schwierigkeiten – der Abstieg nicht mehr zu verhindern war.

Folgenschwere Kooperation

Um den Schulden Herr zu werden und den Talenten eine Perspektive zu bieten, gingen die Schwarz-Blauen eine folgenschwere Kooperation ein: Ab 1995 trat man gemeinsam mit dem GAK in der Landesliga auf – eine Zusammenarbeit, die ausschließlich dem GAK nützte und der ESK-Nachwuchs zu kurz kam, wie sich später zeigen sollte.

Aufbau von unten

Nach den bitteren Erfahrungen setzte man ganz unten zum Neubeginn an und arbeitete sich bis in die Unterliga hoch. Auch wenn heuer der Abstieg in die Gebietsliga unvermeidlich war, herrscht in Eggenberg für die Zukunft Zuversicht. Ein Dutzend Jugendteams kicken beim ESK Graz, erzählt Jugendleiter Manfred Klemmer stolz.

Auch die Integrationsarbeit kann sich sehen lassen und ist mittlerweile preisgekrönt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus fast 20 Nationen sind Teil des Traditionsvereins. Das Projekt „Der ESK geht neue Wege“ erhielt 2012 den „Integrationspreis Sport“.

 

ESK-Legenden

Der ESK war für viele Grazer Fußballlegenden Station oder gar Ausgangspunkt ihrer Karriere. So begann der glücklose Interimscoach des SK Sturm, Markus Schopp, seine Laufbahn in Eggenberg. Der derzeitige Trainer der U21-Nationalmannschaft, Werner Gregoritsch, beendete in Eggenberg seiner Karriere als Aktiver. Patrick Wolf, später beim SK Sturm und jetzt im Mittelfeld der Kapfenberger trug in seiner Jugend ebenso schwarz-blau wie viele andere, die später beim Grazer SC, Sturm oder GAK ganz oben mitkickten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s