Europameister der Eisenbahner

Austria-WappenFK Austria ASV Puch.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten. Viele Unterhausvereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 6 einer Serie im Grazer Stadtblatt.

Es begann als SV Südbahn Heizhaus. Junge sportbegeisterte Eisenbahner hoben im Juni 1921 einen Fußballverein aus der Taufe, der einmal zu den ganz Großen zählen sollte. Man arbeitete sich nach oben und war bereits 1924 in der ersten steirischen Klasse angekommen.

Der „ehrwürdige Austria-Platz“

Die lang ersehnte eigene Spielstätte entstand 1932 auf einem Grundstück in der Überfuhrgasse in Graz-Lend. Auf den betonierten Rängen konnten fußballbegeisterte Grazer viele Erfolge sehen. Bis heute wird auf dem „ehrwürdigen Austria-Platz“, wie Alfred Horner ihn nennt, gespielt. Er selbst ist „Hunderte Kilometer auf ihm herumgaloppiert“, erzählt er. Mehr als fünfzig Jahre ist er bei der Austria aktiv – erst als Spieler, dann als Trainer und heute als Obmann.

„Reichsbahn Sportgemeinschaft“

1938 wurde der Klub in „Reichs- bahn Sportgemeinschaft Graz“ umbenannt. Weil Eisenbahner als „Unabkömmliche“ oft nicht zum Kriegsdienst einberufen wurden, blieb die Schlagkraft der Mannschaft bestehen. 1944 wurde man das erste Mal steirischer Meister, bevor der Platz 1945 durch Bombenangriff e völlig zerstört wurde.

Europameister der Eisenbahner

Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 waren die Violetten in der steirischen Liga immer vorne dabei. Zur Legende wurden 1949 die vier steirischen Pokalfinalspie- le gegen den SK Sturm. Dreimal trotzte der ESV Austria, wie der Verein seit März hieß, den Schwarz- Weißen ein Unentschieden ab, erst in der vierten Begegnung konnte Sturm sich mit 3:1 durchsetzen. Der bislang einzige internationale Titel einer Grazer Fußballmannschaft ist im Besitz der Austria. 1954 bezwang sie eine französische Eisenbahner-Auswahl in Paris mit 4:1.

Der ESV Austria Graz ist der bislang einzige Grazer Verein mit in- ternationalem Titel: Eisenbahner-Europameister 1954

Der ESV Austria Graz ist der bislang einzige Grazer Verein mit in-
ternationalem Titel: Eisenbahner-Europameister 1954

Staatsliga A und B

Auch in den höchsten beiden Spielklassen war die Grazer Austria länger zugegen. Eine von vier steirischen Mannschaften ganz oben – neben Sturm, GAK und Kapfenberg – waren die Veilchen in der Saison 1953/54. Altersbedingt begann die Mannschaft zu zerfallen und teilte schließlich das Schicksal vieler Nicht-Wiener-Vereine: Das des Talenteschuppens.

International im Unterhaus

Nach einem kontinuierlichen Bergab – und der Fusion mit dem Traditionsverein ASV Puch 2004 – kicken die Grazer Violetten heute in der Gebietsliga Mitte, wo man sich auch eines traditionsreichen Derbys erfreut. Zum Auftakt der Frühjahrssaison demütigte man den Grazer Sportklub mit 5:0. Steiermarkweit einzigartig ist die IB-Mannschaft. Aus sage und schreibe acht Nationen kommen die Spieler, von denen keiner einen österreichischen Pass besitzt. Die rassistischen Anfeindungen, denen die „Austria International“ immer wieder ausgesetzt sind, ärgern Obmann Horner. „Wir alle sind Menschen. Und egal ob in Kamerun, Ägypten oder Österreich: Fußball spielt man überall gleich“, sagt er. Der Verein selbst ist stolz auf seine IB. Die durch sie entstandenen Kontakte haben sogar schon ein spontanes Freundschaftsspiel mit dem al-Nasr Sports Club aus Dubai ermöglicht.

Austria-Legenden

Fritz Gigerl, der 1950 mit der Austria steirischer Meister wurde und später beim SK Sturm ein gefürchteter Freistoß-Schütze war. 1937 kam Karl Klima zum SC Südbahn, der sich in Frankreich bei Olympique Antibes einen Namen gemacht hatte. Dort hatte er sich 1932 nach nur 8 Minuten als erster Torschütze in die erstmals ausgetragene französische Profimeisterschaft eintragen. Bereits als 13-Jähriger kam 1941 Karl Doller zur damaligen „Reichsbahn“ und spielte schon mit 16 ab und zu in der Kampfmannschaft. Später wechselte er zur Admira. Seine Karriere begann auch Helmut Senekowitsch, später GSC- und Trainer-Legende von Córdoba, bei den Grazer Violetten. Christoph Kröpfl , zur Zeit im Kader des SK Sturm, und Mark Prettenthaler, FC Pasching, spielten in ihrer Jugend jahrelang beim ESV Austria Graz.

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