Der Verein aus dem Grazer Norden

SV Andritz WappenSV Andritz.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten. Viele Unterhausvereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 4 der Serie im Grazer Stadtblatt.

Seit 160 Jahren besteht die Maschinenfabrik Andritz. 1948 erhielt das vom Ungarn Josef Körösi als kleine Gießerei gegründete Traditionsunternehmen – auf Betreiben des Betriebsrats und mit Unterstützung der Werksleitung – auch einen Sportverein. Dessen Fußballsektion nahm 1949 am Gelände der MFA den Spielbetrieb auf.

Von den Arbeitern angeregt und der Werksleitung unterstützt: Die Werkself des SV Andritz im Gründungsjahr 1949

Von den Arbeitern angeregt und der Werksleitung unterstützt:
Die Werkself des SV Andritz im Gründungsjahr 1949

 

Frühe Erfolge

Bei ihrem ersten Meisterschaftsspiel am 28. August 1949 traten die Blau-Weißen gegen Murfeld an und verloren 1:3 (0:2). „Wenn sich bei den Andritzern auch einige gute technische Ansätze zeigten, so merkte man schon nach der Pause, dass die Mannschaft noch zu wenig Kondition besitzt“, schrieb die KPÖ-Tageszeitung Wahrheit. Der erste Sieg wurde zwei Wochen später mit 3:2 (1:1) gegen Kalsdorf errungen. Von einem „harten Kampf, bei dem einige Spielern auch in technischer Hinsicht gefallen konnten“, berichtete die Wahrheit. „Störend wirkte aber das ständige laute Schreien der Spieler beider Mannschaften.“

 
In der Landesliga

Bereits 1951 feierte der SV Andritz den ersten Meistertitel, und 1954 stieg er ein weiteres Mal auf. „Das Spiel war eigentlich schon vor der Pause entschieden. Der erwartete Sieg der Andritzer stand nie in Frage“, schrieb die Wahrheit nach dem 4:1 (3:0)-Sieg gegen Guggenbach Ende Juni 1954. In der steirischen Landesliga traf man auf viele legendäre Arbeitervereine wie den ASV Seegraben, den WSV Fohnsdorf, den DSV oder Red Star Knittelfeld.

Heimstättenwechsel

Vom Sportplatz auf dem Firmengelände, wo heute Werksiedlungen stehen, übersiedelte man 1975 auf eine neue Sportanlage in der Andritzer Reichsstraße, in der bis heute gekickt wird. Zum 60-jährigen Jubiläum der Fußballsektion wurde das neue Klubhaus eröffnet. Die Jahrtausendwende markierte das Ende einer langen Durststrecke und den Beginn eines steten Auf und Abs. 2001, 2006 und 2012 stiegen die Andritzer Blau-Weißen in die Oberliga Mitte auf, wo sie sich jedoch bislang nie lange halten konnten.

„Ein Werksportverein geblieben“

Noch immer spielen vier Beschäftigte der Andritz AG in der Kampfmannschaft. „Ein Werksportverein sind wir geblieben“, erzählt Andreas Martiner, nicht nur Obmann des Sportvereines, sondern auch Vorsitzender des Zentralbetriebsrats. Auch gut 90 Prozent der etwa 700 Vereinsmitglieder arbeiten im Werk. Ins- gesamt acht Jugendteams, in denen nicht nur die Kinder der Beschäftigten der Andritz AG, sondern aus dem gesamten Grazer Norden kicken, betreibt die erfolgreiche Fußballsektion neben den beiden Kampfmannschaften. Daneben gibt es noch eine Wander-, eine Ski-, eine Tennis-, eine Motorrad- und eine Golfabteilung des Vereins.

Frauen ganz oben

Ganz nach oben hat es Elisabeth Tieber geschafft. Nach ihrer Zeit im Nachwuchs des SV Andritz spielte sie für den USC Landhaus in der höchsten österreichischen Spielklasse und wechselte 2010 zum VfL Sindelfingen, mit dem sie in der letzten Saison den Aufstieg in die deutsche Bundesliga schaffte. Ganz oben spielte auch Katharina Pregartbauer – für Wacker Innsbruck, den DFC Leoben und LUV Graz. Heute betreut sie in Andritz die U13.

„Es ist oft nicht leicht“

„Kleine Klubs vom Land haben es leichter. Im Dorfl eben bilden die Sportvereine oft den Mittelpunkt und werden von den Gemeinden finanziell viel besser ausgestattet“, erklärt Martiner, warum es dem SV Andritz in der Oberliga immer wieder schwer fiel. Den Klassenerhalt hat man sich nichtsdestotrotz als Ziel gesetzt – mit dem 11. Platz vor der Winterpause keine leichte, aber eine bewältigbare Aufgabe.

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Eine Antwort zu “Der Verein aus dem Grazer Norden

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