Herzblut und Zusammenhalt

stadtblatt juli 2012.indd65 Jahre SV Justiz.

Ein reges fußballerisches Leben hat Graz zu bieten und GAK. Viele Unterhaus-Vereine können auf große Traditionen zurückblicken. Teil 1 einer Serie im Grazer Stadtblatt. 

Der „heilige SV Justiz“, wie der Traditionsklub von seinen Spielern und Funktionären genannt wird, begeht demnächst seinen 65er. Es war ein heißer August, als 1947 Justizbeamte den Sportverein Justiz aus der Taufe hoben. In der ersten Meisterschaftssaison, in die man nach nur wenigen Testspielen einstieg, belegte man im Kreis Graz- Ost den dritten Platz.

Rekord

Es begann ein kontinuierlicher Aufstieg. 1949/50 stieg der SV in die Erste Klasse Graz auf, wo er den Meistertitel erkickte. Bemerkenswert das Torverhältnis von 127:16 – das beste aller österreichischen Mannschaften.

Eng verbunden war der SV Justiz dem ASV Puch, dessen Heimstätte man nutzen durfte. Bis 1975 wurde auf dem Platz der Werkself gespielt, bis die Wanderungen begannen, die vom Postplatz ins Stadion des Grazer SC in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße und von dort schließlich auf den Verbandsplatz führen sollten, wo auch heute die Heimspiele ausgetragen werden. Derzeit spielt der SV Justiz in der 1. Klasse Mitte B.

Der SV Justiz in seinen frühen Jahren. Das Torverhältnis von 127:16 war in der Saison 1949/50 das beste aller österreichischen Mannschaften.

Der SV Justiz in seinen frühen Jahren. Das Torverhältnis von 127:16 war in der Saison 1949/50 das beste aller österreichischen Mannschaften.

Spaß am Kicken

Der Spaß am Kicken ist das Um und Auf beim SV Justiz. Nie noch wurde einem Spieler Geld bezahlt, erzählt Fußball-Sektionsleiter Thomas Russ. „Ganz im Gegenteil, es kostet sogar, bei uns zu spielen – jeder muss mindestens zwei Mal pro Saison eine Kiste Bier mitbringen.“ Die Finanzierung des jährlichen Trainingslagers wird durch ein Hallenturnier sichergestellt, bei dem die Spieler ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

„ein besonderer Geist“

Ein „besonderer Geist“ ist es, der den SV Justiz ausmacht, erklärt Russ. „Alle sind untereinander Freunde oder zu solchen geworden.“ Zusammenhalt ist das Wichtigste. Als etwa im November 2010 ein Spieler nach einer Geburtstagsfeier von einem Taxi überfahren worden war und dabei mehrfache Schädel und offene Beinbrüche erlitten hatte, verabredeten seine Kollegen sich so, dass ihn jeden Tag mindestens zwei von ihnen besuchen konnten.

Nach einem Monat im Koma und einem Jahr im Rollstuhl hatte er wieder die Kraft, zu jedem Training seiner Mannschaft zu kommen, um in vertrautem Umfeld seine Reha-Übungen zu machen. „Wir hoffen, dass er im nächsten Frühjahr wieder einlaufen kann für den heiligen SV Justiz“, sagt Russ.

Promis „in den Fängen der Justiz“

Walter Hiesl, der 1967 mit der Wiener Austria Cupsieger wurde, kickte ebenso für den SV Justiz wie der ehemalige GAK-Stürmer Peter Vidalli. Ein weiterer „Roter“ in deren Reihen war der ehemalige GAK-Torhüter Franz Almer. Seine Verpflichtung wurde zu später Stunde in einem Univiertel-Lokal mit Lippenstift auf einer Serviette fixiert. Er ließ es sich nicht nehmen, nach der Beendigung seiner Profi-Karriere beim SV Justiz zu kicken – als Stürmer.

Nicht nur die Position, sondern gleich das Fach wechselte der Eishockey-Spieler Bernd „Berndl“ Jäger, der mit dem EC Graz, den 99ers und den Vienna Capitals Erfolge feierte. Nun spielt er im Mittelfeld der Justiz.

Auch der aus lichteren Höhen des österreichischen Fußballs bekannte Peter Svetits kickte einst in den Reihen der Grazer Schwarz-Blauen. Anderweitig geriet der umtriebige Funktionär, der unter anderem beim GAK, der Wiener Austria, Magna Wiener Neustadt und jetzt Austria Klagenfurt tätig war, in die Fänge der Justiz, als er im 2011 wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Schwarzgeldzahlungen in U-Haft musste.

Abseits des Rasens bekannt ist auch Burkard Poschinger. Als Mastermind der Singer-Songwriter-Plattform Platoo wie als Bandleader von Der Kugelblitz versorgt er Grazer Musikliebhaber schon lange mit bester Ware.

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